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Wie Wirtschaftsprüfer mit auditbee die Nadel im Heuhaufen finden – Teil 2/2

Dies ist Teil 2/2 des Artikels, lesen Sie hier Wie Wirtschaftsprüfer mit auditbee die Nadel im Heuhaufen finden – Teil 1/2.

Auditbee – Datenanalyse mit Qlik Sense in der Wirtschaftsprüfung

Wir sind es mittlerweile gewohnt, vieles einfach per Knopfdruck mit unserer App zu erledigen. Warum sollte etwas anderes für die Datenanalyse gelten?

Das Ziel von auditbee ist, die Datenanalyse durchgängig in die Prüfung zu integrieren. Jeder Prüfer hat mit dem auditbee Dashboard die Möglichkeit, Daten schnell und einfach selbst zu analysieren. Nicht nur für Journal Entry Tests, sondern auch zur Prüfungsplanung, Verständnisgewinnung, Risikobeurteilung und Dokumentation.

Hierzu werden die aus der Finanzbuchhaltung extrahierten GDPdU-Daten vom auditbee Team als Service verarbeitet und dem Prüfer als abgestimmtes Modell zu Verfügung gestellt.

auditbee basiert auf der Business Intelligence Software Qlik Sense, eine in vielen Unternehmen weltweit eingesetzte Reporting Lösung. Mit Qlik Sense werden die Daten über grafische Objekte dargestellt, damit Sie für den Anwender leicht zu erfassen sind.

Mit auditbee auf Basis von Qlik Sense entsteht aus den Daten des Geschäftsjahres, dem Vorjahr und dem Folgejahr ein Modell mit verschiedenen Analysen zur Beurteilung von Geschäftsentwicklungen, für analytische Prüfungshandlungen und Journal Entry Tests. Darüber hinaus werden die Going Concern Annahme (Fortführungsprognose), Performance- und Risikoindikatoren automatisiert anhand von Erwartungswerten oder eines Risiko-Scores beurteilt.

In auditbee sind eine Vielzahl an Dashboards mit unterschiedlichen Themen eingerichtet. Jedes enthält vordefinierte Journal Entry Tests, um prüferische Fragen zu ergründen. Zudem ermöglichen die verschiedenen grafischen Objekte Ad-hoc Analysen – Zeitreihenentwicklung, Kennzahlen, Rangfolgen, etc. – um Auffälligkeiten auf den Grund zu gehen.

Abb1: Bilanzanalyse und Bestimmung der Wesentlichkeit

Abb1: Bilanzanalyse und Bestimmung der Wesentlichkeit

Abb2: Analyse des Buchungsverhaltens nach Nutzer, Erfassungsdatum und Posten

Abb2: Analyse des Buchungsverhaltens nach Nutzer, Erfassungsdatum und Posten

Abb3: Analyse des Zahlungsverhaltens nach Kunde und Zahlungsbedingung

Abb3: Analyse des Zahlungsverhaltens nach Kunde und Zahlungsbedingung

Der Audit Workflow führt den Prüfer durch die verschiedenen Prüfungsgebiete – von der Bilanzanalyse, über die Beurteilung von Performance- und Risikoindikatoren bis hin zu einer Vielzahl an themenbezogener Journal Entry Tests.

Abb4: Teilausschnitt des Audit Workflows in auditbee

Abb4: Teilausschnitt des Audit Workflows in auditbee

Prüfung mit auditbee – Beispiel: Beurteilung der zeitnahen Erfassung von Umsatzerlösen

Die Prüfung erfolgt immer nach einem ähnlichen Schema. Der Prüfer hat eine Frage, mit der er ein Fehlerrisiko einschätzen und Prüfungsaussagen treffen möchte. Mit der Frage, welche Umsatzbuchungen nicht zeitnah erfasst wurden, wird z.B. der periodengerechte Ausweis überprüft. Ein Kontoblatt kann diese Frage in der Regel nicht beantworten, weil das Erfassungsdatum nicht vorhanden ist. In auditbee sind jedoch alle extrahierten Felder aus der Finanzbuchhaltung miteinander als Modell verbunden. Deswegen können auch alle Datensätze daraufhin überprüft werden, wie groß die Zeitspanne zwischen dem Buchungs- und dem Erfassungsdatum ist. Das Erfassungsdatum ist das mit Eingabe im System protokolierte Datum. Das Buchungsdatum ist dagegen frei wählbar, sollte aber auf den Tag der Lieferung-/Leistungserbringung datiert sein.

Leistungen sind innerhalb weniger Tage abzurechnen und in der Buchhaltung zu erfassen (§ 239 Abs. 2 HGB). Wenn die Zeitspanne z.B. mehr als 30 Tage beträgt, gelten diese Buchungen als auffällig. Es besteht ein Risiko, dass entweder organisatorische Mängel bestehen (Freigaben bzw. Abrechnungen dauern zu lange) oder Umsätze abgesprochen und damit Fehlerhaft sein können. Buchungen am Jahresende tragen ein höheres Risiko. Rechnungen können z.B. nur deshalb gestellt worden sein, weil der Einkaufsverantwortliche des Kunden noch Budget hatte und dieses ausschöpfen wollte. Anders herum hat möglicherweise das Unternehmen vorzeitig Leistungen zum Jahresende abgerechnet, obwohl diese noch nicht vollständig erbracht sind. In beiden Fällen besteht das Risiko der Periodenverschiebung von Umsätzen.

Abb5: Übersicht Umsatzerlöse im Geschäftsjahr

Abb5: Übersicht Umsatzerlöse im Geschäftsjahr

Über die vordefinierte Journal Entry Test Abfrage – zeitnah BUDAT – werden dem Prüfer per Knopfdruck alle Buchungszeilen angezeigt, die das Merkmal – Erfassung zu Buchung > 30 Tage – aufweisen.

Abb6: JET-Abfrage – Alle Buchungen mit einer Zeitspanne > 30 Tagen

Von den Belegen wählt der Prüfer alle Buchungen per Dezember aus, um die richtige Periodenabgrenzung zu überprüfen.

Abb7: Dezemberbuchungen innerhalb der JET Analyse

Abb7: Dezemberbuchungen innerhalb der JET Analyse

Innerhalb der Umsatzbuchungen sind für den Prüfer solche Buchungen relevant, die an bestimmte Kunden gestellt wurden (wegen des Risikos auf dolose Handlungen).

Abb8: Filterung auffälliger Kunden

Abb8: Filterung auffälliger Kunden

Als letzten Filter wählt der Prüfer alle Beträge oberhalb der Nichtaufgriffsgrenze aus

"Abb9:

Abb9: Schichtungen nach Beträgen > 25k

Aus den verbleibenden Belegen wählt der Prüfer eine Stichprobe bewusst aus, um anhand von Nachweisen (Rechnungen, Lieferscheine, etc.) zu überprüfen, ob die Buchungen berechtigt, richtig und periodengerecht erfolgt sind. Hierzu kann er die Belegliste aus auditbee in Excel exportieren, um Sie dem Buchhalter als Belegauswahl zuzusenden. Außerdem dokumentiert der Prüfer seine Ergebnisse in der Qlik Sense Story.

Abb10: Strukturierte bewusste Belegauswahl – 4 von 13 Belege nach

Abb10: Strukturierte bewusste Belegauswahl – 4 von 13 Belege nach

Zusammenfassung und Ausblick

Datenanalysen ermöglichen dem Prüfer sehr tiefe Einblicke in die Geschäftsentwicklung des Mandanten. So kann er nicht nur sein Verständnis vom Unternehmen stetig weiterentwickeln, die Datenanalyse hilft ihm auch, Massendaten angemessen zu überprüfen.

Damit der Prüfer mit der Datenanalyse die Nadel im Heuhaufen finden, relevante Entwicklungen erkennen und Zusammenhänge besser verstehen kann, muss sie jedoch in die Prüfung integriert sein. Das bedeutet, dass sie nicht nur für Journal Entry Tests durch Spezialisten, genutzt wird, sondern jedes einzelne Teammitglied selbst anhand der Daten Auffälligkeiten leicht erkennen und überprüfen kann. Außerdem wird die Analyse zur Risikobeurteilung verwendet. Dadurch können unkritische Bereiche von weitergehenden Prüfungshandlungen ausgenommen werden. Durch die Fokussierung und das Filtern auffälliger Datensätze kann schließlich der Umfang von Einzelbelegprüfungen deutlich verringert werden.

auditbee übernimmt als Service die Datenaufbereitung und stellt dem Prüfer ein fertig abgestimmtes Dashboard-Modell zur Verfügung, dass der Prüfer mit der BI Software Qlik Sense nutzen kann. Damit baut die Kanzlei Risiken ab, weil Sie weniger von Spezialisten abhängig ist. Zum anderen enthält das auditbee Modell jede Menge menschlichen Sachverstand und Logik in Form von Journal Entry Test Abfragen, Kennzahlen bis hin zu dynamischen Beurteilungen. Dadurch spart sich der Prüfer die Zeit, die entsprechenden Fragen und Analysen selbst mit Excel oder einem anderen Softwarelösungen zu modellieren.

Wirtschaftsprüfung ist Teamarbeitet. Jeder bringt seine individuellen Stärken und Fachwissen ein. Deshalb braucht das Team immer auch jemanden, dessen Stärke in der Analyse liegt, um schnell und effizient Auffälligkeiten zu erkennen und diese durch richtige Fragen und Nachweise angemessen zu würdigen. Jedoch ist der Spezialist Dank auditbee nicht mehr alleine. Das ganze Team hat nun Zugriff auf alle GDPdU Daten aus der Finanzbuchhaltung und auch die Dokumentation erfolgt innerhalb einer Lösung – und das ist auditbee!

Wie Wirtschaftsprüfer mit auditbee die Nadel im Heuhaufen finden – Teil 1/2

ERP, CRM, FiBu – täglich durchlaufen unzählige Geschäftsprozesse die IT-Systeme von Unternehmen. Es entstehen Ströme aus Massendaten, die am Ende in der Finanzbuchhaltung münden und dort automatisch auf Konten erfasst werden.

Mit auditbee können Wirtschaftsprüfer diese Datenströme wirtschaftlich und einfach analysieren. auditbee integriert die Datenanalyse in den gesamten Prüfungsverlauf und macht Schluss mit ausgedruckten Kontenblättern, komplizierten Datenabfragen sowie dem Zufall bei der Fehlersuche.

Wirtschaftsprüfer und die Nadel im Heuhaufen

Die Finanzdaten von Unternehmen sind wichtig für viele Adressaten – Gesellschafter, Banken, Kunden, etc. Deswegen ist es die gesetzliche Aufgabe des Wirtschaftsprüfers, wesentliche Fehler in der Buchhaltung und dem Jahresabschluss aufzudecken. Dazu überprüft er einzelne Sachverhalte mit hohem Fehlerrisiko und Prozesse, bei denen systematische Fehler in Summe von Bedeutung für den Abschluss sein können (IDW PS 261 n.F.).

Die Prüfung gleicht jedoch der Suche nach der Nadel im Heuhaufen!

Fehler sind menschlich und können passieren. Das Problem ist, dass sie im gesamten Datenhaufen gut verborgen sein können – und je größer dieser ist, desto schwieriger wird die Suche. Neben Irrtümern können Fehler auch durch absichtliche Falschdarstellungen und bewusste Täuschungen entstehen. Um solche dolosen Handlungen festzustellen, hat der Prüfer häufig tief im Datenhaufen zu graben, weil sie gut versteckt sind. Deswegen sind auch nach international anerkannten Prüfungsgrundsätzen die Journalbuchungen zu analysieren (ISA 240.32).

Die Suche nach dem Fehler

Noch vor einigen Jahren bestand die Prüfung hauptsächlich darin, eine Vielzahl an bewusst ausgewählten Belegen als Stichprobe in Papier einzusehen und mit den Angaben in der Buchhaltung abzustimmen – analog mit Stift und Textmarker auf ausgedruckten Kontenblättern. Dafür mussten Unmengen Belege kopiert und Kontenblätter ausgedruckt werden. Das hat nicht nur Papier verschwendet, sondern auch sehr viel der begrenzten Zeit gekostet. Zu allen Übels mussten die so entstandenen Prüfungsakten noch Kistenweise zum Mandanten hin- und wieder zurück transportiert werden. Es gab keine digitale Alternative.

Heute haben viele Unternehmen ihre Belege digitalisiert und setzen Dokumentenmanagement-systeme ein. Eine enorme Arbeitserleichterung für den Prüfer, der jetzt alle Belege digital einsehen kann. Weil der Datenhaufen jedoch gleichzeitig immer weiter wächst, entstehen neue Herausforderungen. Die Datenmenge als Grundgesamtheit wirkt sich beispielsweise auf den Umfang einer Stichprobe aus. Um Massendaten aus automatisierten Geschäftsprozessen wirtschaftlich überprüfen zu können, sind daher Datenanalysen unerlässlich.

Mit dem BMF-Schreiben „Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen – GDPdU“ wurde im Jahr 2001 der Grundstein für die Datenanalyse in der Prüfung gelegt. Der Nachfolger „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff – GoBD“ wurde 2014 veröffentlicht. Mit den BMF-Schreiben hat eine gewisse Normierung der steuerlich relevanten Daten (GDPdU/GoBD-Daten) durch die Finanzverwaltung stattgefunden. Diese lassen sich aus jeder Buchhaltungssoftware extrahieren und umfassen sämtliche Journalbuchungen.

Mit Datenanalysen kann der Prüfer nicht nur das Unternehmen und dessen Entwicklung besser verstehen. Dank der GDPdU/GoBD-Daten können Fehler mit auditbee viel leichter gefunden werden, weil sich der Prüfer jeden Halm im Datenhaufen ganz genau ansehen, Auffälligkeiten erkennen und hinterfragen kann. Mit der Analyse und Risikobeurteilung wird zudem die Belegprüfung deutlich reduziert, weil sich der Prüfer bei der Auswahl auf auffällige und risikobehaftete Daten beschränken kann.

Integration der Datenanalyse in die Prüfung – Spezialisten oder Self-Service

Das Tagesgeschäft des Wirtschaftsprüfers ist sehr vielfältig – Prüfung, Unternehmensbewertung, Steuerberatung. Deshalb erfolgt die Datenanalyse regelmäßig durch Spezialisten. Das sind IT-affine Mitarbeiter innerhalb der Kanzlei, die sich im Rahmen von Projekten selbständig weitergebildet oder eine Qualifikation als CISA bzw. IT Auditor haben.

Der Spezialist überprüft die Journalbuchungen (Journal Entry Tests) mit Excel oder einer Analysesoftware für Prüfer (DATEV Datenanalyse, IDEA, ACL). Oft ist er aber nicht mehr an der weiteren Prüfung beteiligt. Stattdessen führt der Prüfer mit seinen Assistenten als Team vor Ort die Hauptprüfung durch. Dabei werden häufig Konten erneut für die Belegauswahl in Excel gezogen. Das führt nicht nur zu Medienbrüchen, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit für Doppelarbeit, Fehler und Missverständnisse.

Neben alten Gewohnheiten und Zeitdruck ist die Analysesoftware oft selbst ein Grund, weshalb die Datenanalyse in der Praxis selten in die Prüfung integriert ist. Schließlich erfordern die Softwarelösungen einiges an IT-Kenntnis in der Einrichtung und Bedienung. Zudem ist die Interpretation von überwiegend in Tabellen dargestellten Daten schwierig und umständlich.

Mit auditbee als vorbereitete Dashboard Lösung auf Basis von Qlik Sense kann jeder im Team seine Daten selbst analysieren. Damit wird die Datenanalyse in die Prüfung integriert und kann ihr volles Potential entfalten.

auditbee als Self-Service BI-Lösung lässt sich so einfach bedienen, dass das Prüfungsteam nicht mehr von einzelnen Spezialisten abhängig ist. Damit aber nicht jeder bei 0 anfängt, werden die Daten bereits vom auditbee Team als Service in die BI-Software Qlik Sense geladen und abgestimmt. Zudem sind bereits verschiedene Dashboards zur Analyse eingerichtet. Der einzelne Anwender kann sich mit auditbee Daten und Kennzahlen ansehen, ohne eine einzige Formel eingeben zu müssen. Die Navigation und das dynamische Filtern der Daten im gesamten Dashboard erfolgt mit der Maus und das nahezu in Echtzeit. Anstatt von Abfragen mit langen Ladezeiten und Duplizierung der Daten können diese sofort im gesamten auditbee Modell nach unterschiedlichen Dimensionen (mehrdimensional) analysiert werden.

Mit auditbee zur strukturierten Belegauswahl

Bei der traditionellen bewussten Auswahl sucht sich der Prüfer Belege nach eigenem Ermessen anhand der Informationen auf dem Kontoblatt aus. Das sind regelmäßig Betrag, Buchungsdatum oder Buchungstext. Diese Methode ist relativ einseitig, eindimensional und vorhersehbar, weil vom Prüfer eher größere Beträge oder auffällige Texte ausgewählt werden. Dadurch kann es sein, dass absichtliche Falschdarstellungen und Irrtümer bei betragsmäßig kleineren Belegen nicht in die Stichprobe einbezogen werden und somit ungeprüft bleiben.

Zufalls- sowie statistische Auswahlverfahren (u.a. Monetary Unit Sampling) können wegen der Schwächen der traditionellen Methode eine Alternative sein. Doch auch sie haben einen relevanten Nachteil. Der Umfang der Stichprobe ist oftmals sehr hoch, um ein hinreichendes Signifikanzniveau (Alpha 0,05) zu erreichen. Ein Grund für den Prüfer, sich möglicherweise doch für die bewusste Auswahl zu entscheiden, um die Zeit für Belegabstimmungen zu verkürzen.

Durch die Verbindung sämtlicher FiBu-Daten und der Darstellung weiterer Dimensionen – Referenz, Beleg Art, Erfassungsdatum, Debitor, etc. – ermöglicht auditbee dem Prüfer eine dritte Methode. Bei der strukturierten Belegauswahl fokussiert sich der Prüfer auf Auffälligkeiten und wählt seine Stichprobe aus einer deutlich kleineren Zahl an Belegen bewusst oder per Zufall aus.

Der Prüfer analysiert nicht alles auf einmal, sondern betrachtet nur solche Daten, die aus Sicht des Themas und der zu prüfenden Frage relevant sind. Beispiel: Es werden nur die Daten im Umsatzbereich betrachtet, die das Merkmal „nicht zeitnah erfasst“ aufweisen. Ausgehend von der Frage kategorisiert der Prüfer die Daten nach der Höhe des Fehlerrisikos (Risikobeurteilung nach IDW PS 261 n.F.). Beispielsweise können automatisierte Buchungen ein geringes Fehlerrisiko aufweisen, Sachbuchungen oder Buchungen bestimmter Mitarbeiter dagegen ein höheres. Nur noch Belege mit höherem Risiko sowie andere Auffälligkeiten ergründet der Prüfer weiter im Detail. Hierzu filtert er die Daten anhand der auffälligen Dimensionen (Erfasser, Debitor, Monat, etc.). Am Ende bleiben nur noch wenige auffällige Datensätze übrig, aus der der Prüfer seine Stichprobe auswählt.

Bezogen auf die Nadel im Heuhaufen zeigen die 3 Methoden folgendes Bild.

Methode 1: Der Prüfer trägt nur die großen Strohalme von der Oberfläche ab, um zu sehen, ob darunter die Nadel verborgen ist (traditionelle Belegauswahl anhand des Kontoblattes).

Methode 2: Der Prüfer greift an verschiedenen Stellen in den Heuhaufen hinein, um per Zufall die Nadel zu finden (statistische Zufallsauswahlverfahren).

Methode 3: Der Prüfer sieht sich den Heuhaufen erst genau an, ob irgendwelche Stellen durchgewühlt aussehen (Auffälligkeiten), hier trägt er den Teil ab (Filtern der auffälligen Daten) und durchsucht systematisch den kleinen Haufen (strukturierte Auswahl).

Dies ist Teil 2/2 des Artikels, lesen Sie hier den zweiten Artikel Wie Wirtschaftsprüfer mit auditbee die Nadel im Heuhaufen finden – Teil 2/2.

Von der Datenanalyse zur Prozessverbesserung: So gelingt eine erfolgreiche Process-Mining-Initiative

Den Prozessdaten auf der Spur: Systematische Datenanalyse kombiniert mit Prozessmanagement

Die Digitalisierung verändert Organisationen aller Branchen. In zahlreichen Unternehmen werden alltägliche Betriebsabläufe softwarebasiert modelliert, automatisiert und optimiert. Damit hinterlässt fast jeder Prozess elektronische Spuren in den CRM-, ERP- oder anderen IT-Systemen einer Organisation. Process Mining gilt als effektive Methode, um diese Datenspuren zusammenzuführen und für umfassende Auswertungen zu nutzen. Sie kombiniert die systematische Datenanalyse mit Geschäftsprozessmanagement: Dabei werden Prozessdaten aus den verschiedenen IT-Systemen einer Organisation extrahiert und mit Hilfe von Data-Science-Technologien visualisiert und ausgewertet.


Read this article in English: From BI to PI: The Next Step in the Evolution of Data-Driven Decisions

 


Professionelle Process-Mining-Lösungen erlauben, die Ergebnisse dieser Prozessauswertungen auf Dashboards darzustellen und nach bestimmten Prozessen, Transaktionen, Abteilungen oder Kunden zu filtern. So ist es möglich, die Performance, Durchlaufzeiten und die Kosten einzelner Betriebsabläufe zu erfassen. Prozessverantwortliche werden auf diesem Wege auf Verzögerungen, ineffiziente Abläufe und mögliche Prozessverbesserungen aufmerksam.

Praxisbeispiel: Einkaufsprozess – Prozessabweichungen als Kosten- und Risikofaktor

Ein Beispiel aus dem Unternehmensalltag ist ein einfacher Einkaufsprozess: Ein Mitarbeiter benötigt einen neuen Laptop. Im Normalfall beginnt der Prozess mit der Anfrage des Mitarbeiters, die durch seinen Manager bestätigt wird. Ist kein Laptop vorrätig, löst das für den Einkauf zuständige Team die Bestellung aus. Zu einem späteren Zeitpunkt wird der Laptop dem Mitarbeiter übergeben und das Unternehmen erhält eine Rechnung. Diese Rechnung wird geprüft und fristgemäß gemäß den vorgegebenen Konditionen beglichen. Obwohl dieser alltägliche Prozess nicht sehr komplex ist, weicht er im Unternehmensalltag häufig vom modellierten Idealzustand ab, was unnötige Kosten und möglicherweise auch Risiken verursacht.

Die Gründe sind vielfältig:

  • Freigaben fehlen
  • Während des Bestellprozesses sind Informationen unvollständig
  • Rechnungen werden aufgrund von unvollständigen Informationen mehrfach korrigiert

Process Mining ermöglicht, den gesamten Prozessverlauf alltäglicher Betriebsabläufe unter die Lupe zu nehmen und faktenbasierte Diskussionen zwischen den Fachabteilungen, Prozessverantwortlichen sowie dem Management in einer Organisation anzuregen. So werden unternehmensweite Prozessverbesserungen möglich – vorausgesetzt, die Methode wird richtig angewandt und ist strategisch durchdacht. Doch wie gelingt eine erfolgreiche unternehmensweite Process-Mining-Initiative über Abteilungsgrenzen hinaus?

Wie sich eine erfolgreiche Process-Mining-Initiative auf den Weg bringen lässt

Jedes Unternehmen ist einzigartig und geht mit unterschiedlichen Fragestellungen an eine Process-Mining-Initiative heran: ob einzelne Prozesse gezielt verbessert, Prozesslebenszyklen verkürzt oder abteilungsübergreifende Abläufe an unterschiedlichen Standorten miteinander verglichen werden. Sie alle haben etwas gemeinsam: Eine erfolgreiche Process-Mining-Initiative erfordert ein strategisches Vorgehen.

Schritt 1: Mit Weitsicht planen und richtig kommunizieren

Wie definiere ich die Ziele und den Umfang der Process-Mining-Initiative?

Die Anfangsphase einer Process-Mining-Initiative dient der Planung und entscheidet häufig über den Erfolg eines Projektes. In erster Linie kommt es darauf an, die Ziele des Projektes zu definieren und die Erfolgsfaktoren zu bestimmen. Die Ziele einer erfolgreichen Process-Mining-Initiative sind SMART definiert: spezifisch, messbar, attainable/relevant, reasonable/umsetzbar und zeitgebunden/time-bound. Mögliche Ziele für das Projekt lassen sich zum Beispiel wie folgt formulieren:

  • Prozessdauer auf 25 Tage reduzieren
  • Hauptunterschiede zwischen zwei Ländern hinsichtlich bestimmter Prozesse identifizieren
  • Prozessautomatisierung um 25% steigern

Unter diesen Voraussetzungen lässt sich auch der Rahmen der Process-Mining-Initiative festlegen: Sie halten fest, welche Prozesse, konkret betroffen sind und wie sie mit den IT-Systemen und Mitarbeiterrollen in Ihrer Organisation verknüpft sind.

Welche Rollen und Verantwortlichkeiten gibt es?

Die Ziele Ihrer Process-Mining-Initiative sollten unternehmensweit geteilt werden: Dies erfordert neben einer klaren Strategie eine transparente Kommunikation in der gesamten Organisation: Indem Sie Ihren Mitarbeitern das nötige Wissen an die Hand geben, um die Initiative erfolgreich mitzugestalten, sichern Sie sich auch ihre Unterstützung.

So verstehen sie nicht nur, warum dieses Projekt sinnvoll ist, sondern sind auch in der Lage, das Wissen auf ihre individuelle Rolle und Situation zu übertragen. Im Rahmen einer Process-Mining-Initiative sind verschiedene Projektbeteiligte in unterschiedlichen Rollen aktiv:

Während Projektträger verantwortlich für die Prozessanalyse sind (z. B. Chief Procurement Officer oder Process Owner), wissen Prozessexperten, wie ein bestimmter Prozess verläuft und kennen die verschiedenen Variationen. Sie nutzen Methoden wie Process Mining, um ihr Wissen zu vertiefen und Diskussionen über die gewonnenen Daten anzustoßen. Sie arbeiten eng mit Business-Analysten zusammen, die die Prozessanalyse vorantreiben. Datenexperten wiederum verfolgen die einzelnen Spuren, die ein Prozess in der IT-Landschaft einer Organisation hinterlässt und bereiten sie so auf, dass sie Aufschluss über die Performance eines Prozesses geben.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Diese unterschiedlichen Rollen gilt es im Rahmen einer erfolgreichen Process-Mining-Initiative an einen Tisch zu bringen: So können die gewonnen Erkenntnisse gemeinsam im Team interpretiert und diskutiert werden, um die richtigen Veränderungen anzustoßen. Die daraus gewonnen Prozessverbesserungen spiegeln das Know-how des gesamten Teams wider und sind das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

Schritt 2: Die technischen Voraussetzungen schaffen

Wie werden Prozessdaten systemübergreifend aggregiert und aufbereitet?

Nun wird es Zeit für die technischen Vorbereitungen: Entscheidend ist es, alle Anforderungen an die beteiligten IT-Systeme zu durchdenken und die IT-Verantwortlichen so früh wie möglich einzubeziehen. Um valide Daten für Prozessverbesserungen zu generieren, sind diese drei Teilschritte nötig:

  1.  Datenextraktion: Relevante Daten aus unterschiedlichen IT-Systemen werden aggregiert (Datenquellen sind datenbasierte Tabellen aus ERP- und CRM-Lösungen, analytische Daten wie Reports, Logdateien, CSV-Dateien usw.)
  2.  Datenumwandlung gemäß den Anforderungen für Process Mining: Die extrahierten Daten werden in Cases (Abfolge verschiedener Prozessschritte) umgewandelt, mit einem Zeitstempel versehen und in Event-Logs gespeichert.
  3.  Datenübertragung: Die Process-Mining-Software greift auf die gespeicherten Event-Logs zu.

Welche Rolle spielen Konnektoren?

Diese Teilschritte werden erfahrungsgemäß mittels eines Software-Konnektors durchgeführt und in regelmäßigen Abständen wiederholt. Ein Software-Konnektor hat die Aufgabe, die Daten aus der IT-Landschaft eines Unternehmens nach den Anforderungen der Process-Mining-Lösung zu übersetzen. Er wird speziell für die Kombination mit bestimmten IT-Systemen wie SAP, Oracle oder Salesforce entwickelt und steuert die gesamte Datenintegration von der Extraktion über die Umwandlung bis zur Datenübertragung.

Process-Mining-Lösungen wie Signavio Process Intelligence verfügen über Standardkonnektoren sowie über eine API für individuell entwickelte Konnektoren. Im Rahmen der technischen Vorbereitungen gilt es, mit Blick auf das jeweilige Szenario über die Möglichkeiten der Umsetzbarkeit zu entscheiden und andere technische Lösungen zu evaluieren.

Schritt 3: Von der Prozessanalyse zur Prozessverbesserung

Wie lassen sich die ermittelten Daten für Verbesserungen nutzen?

Sind die umgewandelten Daten in der Process-Mining-Lösung verfügbar, beginnt die Prozessauswertung. Durch IT-gestütztes Process Mining erhalten Prozessexperten die Möglichkeit, alle vorliegenden Daten zu visualisieren und einzelne Prozesse detailliert auszuwerten. Die vorliegenden Prozesse werden nun hinsichtlich unterschiedlicher Faktoren untersucht, etwa mit Blick auf Durchlaufzeiten, Performance und den Prozessfluss. Im direkten Vergleich lässt sich auf diesem Wege ermitteln, welche Faktoren sich auf die Erfolgskennzahlen auswirken und an welchen Stellen Verzögerungen oder Abweichungen auftreten.

Die so gewonnen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für faktenbasierte Diskussionen zwischen den verschiedenen Stakeholdern der Process-Mining-Initiative. Doch erst die konkreten Schritte, die aus dieser Datenbasis abgeleitet werden, entscheiden über den Erfolg des Projektes: Entscheidend ist, wie diese Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt werden.

 

Eine Process-Mining-Lösung, die nicht als reines Analysetool zur Verfügung steht, sondern in eine umfassende Lösung für die Modellierung, Automatisierung und Analyse professioneller Geschäftsprozesse integriert ist, erleichtert den Schritt von der Business Process Discovery zur Prozessverbesserung. Schließlich gilt es, konkrete Prozessverbesserungen und Änderungen zu planen, in den Unternehmensalltag zu integrieren und die Ergebnisse auszuwerten – auch über das Ende der Process-Mining-Initiative hinaus.

Warum ist ein Process-Mining-Projekt nie vollständig abgeschlossen?  

Wer einmal mit der Prozessverbesserung beginnt, wird feststellen: Viele weitere Stellen in den Prozessen warten nur darauf, verbessert zu werden. Daher lohnt es sich, einige Wochen nach der initialen Prozessverbesserung neue Daten zu extrahieren, um herauszufinden, welche Veränderungen nachweislich zu mehr Effizienz geführt haben. Eine kontinuierliche Messung und Auswertung erleichtert einen umfassenden Blick auf die eigene Organisation:

  • Funktionieren die überarbeiteten Prozesse wie geplant?
  • Haben Prozessveränderungen unvorhersehbare Effekte?
  • Treten Schwachstellen in anderen Prozessen auf?
  • Haben sich die Prozesse verändert, seitdem sie überarbeitet wurden?
  • Wie lässt sich ein bestimmter Prozess weiter verbessern?

Somit lässt sich zusammenfassen: Wem es gelingt, die Datenspuren in den IT-Systemen der eigenen Organisation zu verfolgen, ist auf dem richtigen Weg zur kontinuierlichen Verbesserung. Davon profitieren nicht nur die Prozesse und IT-Systeme, sondern auch die Mitarbeiter in den Organisationen.

Process-Mining: Es werde Licht

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Nur wer seine Prozesse kennt, kann sie optimieren

Gewachsene und in verschiedenen Systemen umgesetzte Prozesse sind meist nicht definiert und dokumentiert. Wer hat einen Prozess wann, warum und wofür angelegt? Nach welchem Schema verläuft er? Gibt es verschiedene Prozessvarianten, die durch unterschiedliche Parameter gesteuert sind? Diese Fragen können viele Unternehmen nicht beantworten und ihre betrieblichen Abläufe nicht optimieren – mit der Folge, dass sie weder ihre Transparenz steigern noch die Kosten senken und von Wettbewerbsvorteilen profitieren können.

Ohne transparente, aktuelle und einheitliche Prozessdokumentation ist der Aufwand zur Aneignung des Prozesswissens unnötig hoch – zumal die Intransparenz sehr teuer ist. Insbesondere für Unternehmen im Finance-Umfeld ist eine transparente, aktuelle Dokumentation Pflicht. Nur so können Wirtschaftsprüfer oder Revisionsabteilungen Unregelmäßigkeiten und Verstöße gegen Compliance-Richtlinien in Prozessen identifizieren und nachweisen, dass Firmen normative Vorgaben wie die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) einhalten.

Prozesse sichtbar machen

Durchblick gewährt das Process-Mining. Es macht die in Technik verborgenen Prozesse sichtbar. Als Bestandteil des Business-Process-Managements (BPM) ermöglicht es, Prozesse aus ihren digitalen Spuren in ERP-, CRM- oder proprietären Systemen zu rekonstruieren und auszuwerten. Viele Unternehmen wissen nicht, wie viele digitale Abläufe es gibt, wie sie chronologisch vonstattengehen, wie sie zusammenhängen, welche Prozessvariante wie viele Anwender wie häufig durchlaufen – und was das kostet. Ausgangspunkt des Process-Minings ist eine Sammlung der Prozessschritte. Mit statistischen Modellen lässt sich dann der Kernprozess ermitteln, der als Basis für alle Prozessabläufe Abweichungen offenbart.

Beispiel: Bestellanforderung in SAP anlegen

Der Standardprozess ist einfach: Bestellanforderung ins SAP-System eingeben, an Prozessfreigeber senden, von ihm prüfen und freigeben lassen. Die Realität könnte aber so sein: Mitarbeiter A bittet Mitarbeiter B per E-Mail, den Prozess einer Bestellanforderung in SAP anzulegen. Also sammelt Mitarbeiter B Informationen in einer Excel-Liste und legt sie auf dem Server ab – und weicht damit vom Standard ab. Da Mitarbeiter B die Freigabe des Vorgesetzten von A benötigt, fragt er ihn per E-Mail, ob er die Bestellung auslösen darf – eine weitere Abweichung. Nach Freigabe schickt Mitarbeiter B die Bestellung an den Lieferanten, ohne den Prozess in SAP anzulegen – schließlich drängt die Zeit. Die Folge: Im ERP-System fehlen Bestellanforderung und Freigabe. Wieso und warum, ist im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar.

Prozesse visualisieren und modellieren

Licht ins Dunkel bringt die Prozessvisualisierung. Sind Prozesse in Dashboards, Diagrammen, Tabellen und Tachoelementen dargestellt, können Unternehmen einfach nachvollziehen, wie Prozesse samt Varianten ablaufen und wie sie verknüpft sind. Auf Basis der Visualisierung ist es möglich, einzelne Abläufe zu modellieren: Man überträgt Prozessabläufe in ein standardisiertes Modell, das Prozessinformationen wie In- und Outputs, beteiligte Rollen, Dokumente und IT-Systeme beinhaltet. Umfangreiche Analysen und Simulationen erlauben dann, Prozesse zu bewerten und Optimierungspotenziale aufzudecken. Ist nachvollziehbar, wie ein Gesamtprozess mit allen Varianten abläuft, können Unternehmen Modifikationen abbauen und einen effizienten Prozess definieren.

Prozesse freigeben, versionieren und publizieren

Neben der Prozessvisualisierung sollte die Process-Mining-Lösung auch die Prozessfreigabe unter Berücksichtigung der Governance-Vorgaben unterstützen. Das erlaubt, Mitarbeitern Rollen wie Prozesseigner, -freigeber oder -prüfer zuzuweisen und eine automatisierte Freigabe zu etablieren. Sind die Daten sauber versioniert und zentral abgelegt, ist für eine lückenlose Dokumentation gesorgt. Um die Mitarbeiter entsprechend zu informieren, sollte das Tool eine einfache Publizierung unterstützen und Informationen zu Risiken, Kennzahlen und IT-Systemen bereitstellen. Außerdem sollten sich Mitarbeiter in die Prozessgestaltung einbringen können.

Informationen auslesen und auswerten – auch in der Cloud

Um eine Prozessdokumentation automatisiert zu erstellen, braucht es einen Algorithmus, der prozessrelevante Informationen aus allen IT-Systemen und Applikationen in das BPM-Tool einspielt. Über Konnektoren zu SAP ERP, Microsoft Dynamics CRM und proprietären IT-Lösungen lässt es sich an Bestandssysteme nahtlos anbinden. Das erlaubt, Informationen zielführend abzugleichen, bedarfsgerecht aufzubereiten und gewinnbringend zu nutzen. Idealerweise ist eine Process-Mining-Software fester Bestandteil eines BPM-Systems (BPMS), das die Prozessplanung, -ausführung, -analyse und -optimierung unterstützt. Eine Monitoring-Komponente sollte es gestatten, Kennzahlen zu erfassen, zu überwachen und auszuwerten. Für maximale Flexibilität ist gesorgt, wenn sich das BPM-System in der Cloud betreiben und bedarfsgerecht anpassen lässt. So können Anwender auf zyklische Lastspitzen mit einem individuellen Ressourcenmanagement reagieren.

Augen auf bei der Anbieter-Auswahl

Neben dem Funktionsumfang ist auch der IT-Dienstleister wichtig. Idealerweise bietet er eine BPM-Suite mit Process-Mining als Teilkomponente. Ein großer, internationaler IT-Systemintegrator mit Erfahrung in allen Branchen hat die nötige Manpower und Erfahrung für komplexe BPM-Projekte. Im Idealfall bietet er Unternehmen State-of-the-art-Technologie und stellt ihnen kompetente, erfahrene Prozessberater zur Seite, die sie in technischen Belangen wie Setup, Integration und Inbetriebnahme sowie dem Auslesen der Daten aus IT-Systemen unterstützen – für eine zielführende Prozessoptimierung und ein wirksames Change-Management. Wenn der Dienstleister über das BPM-Projekt hinaus wertvolle Hilfestellung leistet, können Unternehmen dank Process-Mining wettbewerbsfähiger, innovativer und damit langfristig erfolgreicher werden.

Process Mining: Innovative Analyse von Datenspuren für Audit und Forensik

Step-by-Step:

Neue Möglichkeiten zur Aufdeckung von Compliance-Verstößen mit Process Analytics

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung findet derzeit ein enormer Umbruch der alltäglichen Arbeit hin zur lückenlosen Erfassung aller Arbeitsschritte in IT-Systemen statt. Darüber hinaus sehen sich Unternehmen mit zunehmend verschärften Regulierungsanforderungen an ihre IT-Systeme konfrontiert.

Der unaufhaltsame Trend hin zur vernetzten Welt („Internet of Things“) wird die Möglichkeiten der Prozesstransparenz noch weiter vergrößern – jedoch werden bereits jetzt viele Prozesse im Unternehmensbereich über ein oder mehrere IT-Systeme erfasst. Jeder Mitarbeiter, aber auch jeder automatisiert ablaufende Prozess hinterlässt viele Datenspuren in IT-Backend-Systemen, aus denen Prozesse rückwirkend oder in Echtzeit nachgebildet werden können. Diese umfassen sowohl offensichtliche Prozesse, wie etwa den Eintrag einer erfassten Bestellung oder Rechnung, als auch teilweise verborgene Prozesse, wie beispielsweise die Änderung bestimmter Einträge oder Löschung dieser Geschäftsobjekte. 


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“Process Analytics – Data Analysis for Process Audit & Improvement”


1 Das Verständnis von Process Analytics

Process Analytics ist eine datengetriebene Methodik der Ist-Prozessanalyse, die ihren Ursprung in der Forensik hat. Im Kern des dieser am Zweck orientierten Analyse steht das sogenannte Process Mining, eine auf die Rekonstruktion von Prozessen ausgerichtetes Data Mining. Im Zuge der steigenden Bedeutung der Computerkriminalität wurde es notwendig, die Datenspuren, die potenzielle Kriminelle in IT-Systemen hinterließen, zu identifizieren und zu analysieren, um das Geschehen so gut wie möglich zu rekonstruieren.

Mit dem Trend hin zu Big Data Analytics hat Process Analytics nicht nur neue Datengrundlagen erhalten, sondern ist als Analysemethode weiterentwickelt worden. Zudem ermöglicht die Visualisierung dem Analysten oder Berichtsempfänger ein tief gehendes Verständnis auch komplexerer Geschäftsprozesse.

Während in der konventionellen Prozessanalyse vor allem Mitarbeiterinterviews und Beobachtung der Mitarbeiter am Schreibtisch durchgeführt werden, um tatsächlich gelebte Prozesse zu ermitteln, ist Process Analytics eine führende Methode, die rein faktenbasiert und damit objektiv an die Prozesse herangeht. Befragt werden nicht die Mitarbeiter, sondern die IT-Systeme, die nicht nur alle erfassten Geschäftsobjekte tabellenorientiert abspeichern, sondern auch im Hintergrund – unsichtbar für die Anwender – jegliche Änderungsvorgänge z. B. an Bestellungen, Rechnungen oder Kundenaufträgen lückenlos mit einem Zeitstempel (oft Sekunden- oder Millisekunden-genau) protokollieren.

2 Die richtige Auswahl der zu betrachtenden Prozesse

Heute arbeitet nahezu jedes Unternehmen mit mindestens einem ERP-System. Da häufig noch weitere Systeme eingesetzt werden, lässt sich klar herausstellen, welche Prozesse nicht analysiert werden können: Solche Prozesse, die noch ausschließlich auf Papier und im Kopf der Mitarbeiter ablaufen, also typische Entscheiderprozesse auf oberster, strategischer Ebene, die nicht in IT-Systemen erfasst und dementsprechend nicht ausgewertet werden können. Operative Prozesse werden hingegen in der Regel nahezu lückenlos in IT-Systemen erfasst und operative Entscheidungen protokolliert.

Zu den operativen Prozessen, die mit Process Analytics sehr gut rekonstruiert und analysiert werden können und gleichermaßen aus Compliance-Sicht von höchstem Interesse sind, gehören beispielsweise Prozesse der:

  • Beschaffung
  • Logistik / Transport
  • Vertriebs-/Auftragsvorgänge
  • Gewährleistungsabwicklung
  • Schadensregulierung
  • Kreditgewährung

Process Analytics bzw. Process Mining ermöglicht unabhängig von der Branche und dem Fachbereich die größtmögliche Transparenz über alle operativen Geschäftsprozesse. Für die Audit-Analyse ist dabei zu beachten, dass jeder Prozess separat betrachtet werden sollte, denn die Rekonstruktion erfolgt anhand von Vorgangsnummern, die je nach Prozess unterschiedlich sein können. Typische Vorgangsnummern sind beispielsweise Bestell-, Auftrags-, Kunden- oder Materialnummern.

3 Auswahl der relevanten IT-Systeme

Grundsätzlich sollte jedes im Unternehmen eingesetzte IT-System hinsichtlich der Relevanz für den zu analysierenden Prozess untersucht werden. Für die Analyse der Einkaufsprozesse ist in der Regel nur das ERP-System (z. B. SAP ERP) von Bedeutung. Einige Unternehmen verfügen jedoch über ein separates System der Buchhaltung (z.B. DATEV) oder ein CRM/SRM (z. B. von Microsoft), die dann ebenfalls einzubeziehen sind.

Bei anderen Prozessen können außer dem ERP-/CRM-System auch Daten aus anderen IT-Systemen eine entscheidende Rolle spielen. Gelegentlich sollten auch externe Daten integriert werden, wenn diese aus extern gelagerten Datenquellen wichtige Prozessinformationen liefern – beispielsweise Daten aus der Logistik.

4 Datenaufbereitung

Vor der datengetriebenen Prozessanalyse müssen die Daten, die auf Prozessaktivitäten direkt oder indirekt hindeuten, in den Datenquellen identifiziert, extrahiert und aufbereitet werden. Die Daten liegen in Datenbanktabellen und Server-Logs vor und werden über ein Data Warehousing Verfahren zusammengeführt und in ein Prozessprotokoll (unter den Process Minern i.d.R. als Event Log bezeichnet) umformuliert.

Das Prozessprotokoll ist in der Regel eine sehr große und breite Tabelle, die neben den eigentlichen Prozessaktivitäten auch Parameter enthält, über die sich Prozesse filtern lassen, beispielsweise Informationen über Produktgruppen, Preise, Mengen, Volumen, Fachbereiche oder Mitarbeitergruppen.

5 Prüfungsdurchführung

Die eigentliche Prüfung erfolgt visuell und somit intuitiv vor einem Prozessflussdiagramm, das die tatsächlichen Prozesse so darstellt, wie sie aus den IT-Systemen extrahiert werden konnten.

Process Mining – Beispielhafter Process Flow mit Fluxicon Disco (www.fluxicon.com)

Das durch die Datenaufbereitung erstellte Prozessprotokoll wird in eine Datenvisualisierungssoftware geladen, die dieses Protokoll über die Vorgangsnummern und Zeitstempel in einem grafischen Prozessnetzwerk darstellt. Die Prozessflüsse werden also nicht modelliert, wie es bei den Soll-Prozessen der Fall ist, sondern es „sprechen“ die IT-Systeme.

Die Prozessflüsse werden visuell dargestellt und statistisch ausgewertet, so dass konkrete Aussagen über die im Hinblick auf Compliance relevante Prozess-Performance und -Risiken getroffen werden können.

6 Abweichung von Soll-Prozessen

Die Möglichkeit des intuitiven Filterns der Prozessdarstellung ermöglicht auch die gezielte Analyse von Ist-Prozessen, die von den Soll-Prozessverläufen abweichen.

Die Abweichung der Ist-Prozesse von den Soll-Prozessen wird in der Regel selbst von IT-affinen Führungskräften unterschätzt – mit Process Analytics lassen sich nun alle Abweichungen und die generelle Prozesskomplexität auf ihren Daten basierend untersuchen.

6 Erkennung von Prozesskontrollverletzungen

Die Implementierung von Prozesskontrollen sind Bestandteil eines professionellen Internen Kontrollsystems (IKS), die tatsächliche Einhaltung dieser Kontrollen in der Praxis ist jedoch häufig nicht untersucht oder belegt. Process Analytics ermöglicht hier die Umgehung des Vier-Augen-Prinzips bzw. die Aufdeckung von Funktionstrennungskonflikten. Zudem werden auch die bewusste Außerkraftsetzung von internen Kontrollmechanismen durch leitende Mitarbeiter oder die falsche Konfiguration der IT-Systeme deutlich sichtbar.

7 Erkennung von bisher unbekannten Verhaltensmustern

Nach der Prüfung der Einhaltung bestehender Kontrollen, also bekannter Muster, wird Process Analytics weiterhin zur Neuerkennung von bislang unbekannten Mustern in Prozessnetzwerken, die auf Risiken oder gar konkrete Betrugsfälle hindeuten und aufgrund ihrer bisherigen Unbekanntheit von keiner Kontrolle erfasst werden, genutzt. Insbesondere durch die – wie bereits erwähnt – häufig unterschätzte Komplexität der alltäglichen Prozessverflechtung fallen erst durch diese Analyse Fraud-Szenarien auf, die vorher nicht denkbar gewesen wären. An dieser Stelle erweitert sich die Vorgehensweise des Process Mining um die Methoden des maschinellen Lernens (Machine Learning), typischerweise unter Einsatz von Clustering, Klassifikation und Regression.

8 Berichterstattung – auch in Echtzeit möglich

Als hocheffektive Audit-Analyse ist Process Analytics bereits als iterative Prüfung in Abständen von drei bis zwölf Monaten ausreichend. Nach der erstmaligen Durchführung werden bereits Compliance-Verstöße, schwache oder gar unwirksame Kontrollen und gegebenenfalls sogar Betrugsfälle zuverlässig erkannt. Die Erkenntnisse können im Nachgang dazu genutzt werden, um die Schwachstellen abzustellen. Eine weitere Durchführung der Analyse nach einer Karenzzeit ermöglicht dann die Beurteilung der Wirksamkeit getroffener Maßnahmen.

In einigen Anwendungsszenarien ist auch die nahtlose Anbindung der Prozessanalyse mit visuellem Dashboard an die IT-Systemlandschaft zu empfehlen, so dass Prozesse in nahezu Echtzeit abgebildet werden können. Diese Anbindung kann zudem um Benachrichtigungssysteme ergänzt werden, so dass Entscheider und Revisoren via SMS oder E-Mail automatisiert über aktuellste Prozessverstöße informiert werden. Process Analytics wird somit zum Realtime Analytics.

Fazit

Process Analytics ist im Zuge der Digitalisieurng die hocheffektive Methodik aus dem Bereich der Big Data Analyse zur Aufdeckung Compliance-relevanter Tatbestände im gesamten Unternehmensbereich und auch eine visuelle Unterstützung bei der forensischen Datenanalyse.

 

Datenschutz, Sicherheit und Ethik beim Process Mining – Regel 4 von 4:

Dieser Artikel ist Teil 4 von 4 aus der Reihe Datenschutz, Sicherheit und Ethik beim Process Mining.

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Privacy, Security and Ethics in Process Mining – Rule 4 of 4


Schaffung einer Kooperationskultur

Möglicherweise ist der wichtigste Bestandteil bei der Schaffung eines verantwortungsbewussten Process Mining-Umfeldes der Aufbau einer Kooperationskultur innerhalb Ihrer Organisation. Process Mining kann die Fehler Ihrer Prozesse viel eindeutiger aufzeigen, als das manchen Menschen lieb ist. Daher sollten Sie Change Management-Experten miteinbeziehen wie beispielsweise Lean-Coaches, die es verstehen, Menschen dazu zu bewegen, sich gegenseitig “die Wahrheit“ zu sagen (siehe auch: Erfolgskriterien beim Process Mining).

Darüber hinaus sollten Sie vorsichtig sein, wie Sie die Ziele Ihres Process Mining-Projektes vermitteln und relevante Stakeholder so einbeziehen, dass ihre Meinung gehört wird. Ziel ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Menschen nicht für ihre Fehler verantwortlich gemacht werden (was nur dazu führt, dass sie verbergen, was sie tun und gegen Sie arbeiten), sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem jeder mitgenommen wird und wo die Analyse und Prozessverbesserung ein gemeinsames Ziel darstellt, für das man sich engagiert.

Was man tun sollte:

  • Vergewissern Sie sich, dass Sie die Datenqualität überprüfen, bevor Sie mit der Datenanalyse beginnen, bestenfalls durch die Einbeziehung eines Fachexperten bereits in der Datenvalidierungsphase. Auf diese Weise können Sie das Vertrauen der Prozessmanager stärken, dass die Daten widerspiegeln, was tatsächlich passiert und sicherstellen, dass Sie verstanden haben, was die Daten darstellen.
  • Arbeiten Sie auf iterative Weise und präsentieren Sie Ihre Ergebnisse als Ausgangspunkt einer Diskussion bei jeder Iteration. Geben Sie allen Beteiligten die Möglichkeit zu erklären, warum bestimmte Dinge geschehen und seien Sie offen für zusätzliche Fragen (die in der nächsten Iteration aufgegriffen werden). Dies wird dazu beitragen, die Qualität und Relevanz Ihrer Analyse zu verbessern, als auch das Vertrauen der Prozessverantwortlichen in die endgültigen Projektergebnisse zu erhöhen.

Was man nicht tun sollte:

  • Voreilige Schlüsse ziehen. Sie können nie davon ausgehen, dass Sie alles über den Prozess wissen. Zum Beispiel können langsamere Teams die schwierigen Fälle behandeln, es kann gute Gründe geben, von dem Standardprozess abzuweichen und Sie sehen möglicherweise nicht alles in den Daten (beispielsweise Vorgänge, die außerhalb des Systems durchgeführt werden). Indem Sie konstant Ihre Beobachtungen als Ausgangspunkt für Diskussionen anbringen und den Menschen die Möglichkeit einräumen, Ihre Erfahrung und Interpretationen mitzugeben, beginnen Sie, Vertrauen und die Kooperationskultur aufzubauen, die Process Mining braucht.
  • Schlussfolgerungen erzwingen, die ihren Erwartungen entsprechen oder die sie haben möchten, indem Sie die Daten falsch darstellen (oder Dinge darstellen, die nicht wirklich durch die Daten unterstützt werden). Führen Sie stattdessen ganz genau Buch über die Schritte, die Sie bei der Datenaufbereitung und in Ihrer Process-Mining-Analyse ausgeführt haben. Wenn Zweifel an der Gültigkeit bestehen oder es Fragen zu Ihrer Analysebasis gibt, dann können Sie stets zurückkehren und beispielsweise zeigen, welche Filter bei den Daten angewendet wurden, um zu der bestimmten Prozesssicht zu gelangen, die Sie vorstellen.